Medizinische Papyri


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Die Alten Ägypter verfügten bereits sehr früh über eine hochentwickelte Medizin und haben ihr Wissen selbstverständlich auch auf Papyri festgehalten. In den medizinischen Texten finden wir sogar Referenzen auf den zeitlichen Ursprung der Texte im Alten Reich (z.B. im Papyrus Ebers, Rezept Nr. 856a, und noch ausführlicher im Papyrus Berlin 3038, Rezept Nr. 163a). Diese könnten jedoch durchaus mit Vorsicht zu genießen sein.

    pEbers 856a: Beginn des Buches über das Durchziehen der Schmerzstoffe in allen Körpergliedern des Mannes, wie es vorgefunden wurde als Schriftstück unter den Füßen (einer Statue) des Anubis in Letopolis. Es wurde gebracht zur Majestät, dem König von Ober- und Unterägypten, (Usaphais)|, gerechtfertigt.”

    pBerlin 163a:Beginn der Sammelhandschrift für das Umherziehen der Schmerzstoffe, gefunden in den alten Schriften in einem Kasten für Schreibutensilien unter den Füßen einer Anubisstatue in Letopolis zur Zeit seiner Majestät, des Königs von Ober- und Unterägypten (Usaphais)|, gerechtfertigt, nachdem er schwach geworden  war. Es wurde gebracht zur Majestät, dem König von Ober- und  Unterögypten (Senedj)|, gerechtfertigt, wegen seiner Vortrefflichkeit.“

In einer wissenschaftlichen Landschaft, die von Empirie und Tradition geprägt war, stieg mit dem Alter natürlich auch der Wert und das Prestige des Wissens. Einerseits könnten die genannten Papyri ihre Entstehung durch den Verweis auf das Alte Reich etwas “vordatiert” haben. Andererseits haben wir aufgrund lexikalischer, orthographischer und grammatikalischer Analysen starke Hinweise darauf, dass z.B. der Urtext des Papyrus Smith bereits im Alten Reich verfasst worden sein muss, wir mit dem uns überlieferten Manuskript jedoch nur eine spätere Kopie vorliegen haben.

Auch wenn der älteste, bisher gefundene Medizinpapyrus aus dem Mittleren Reich stammt (Papyrus med. Kahun, ca. 1850 v.Chr.), so beweist schon eine Inschrift aus der 5. Dynastie des Alten Reichs (2470-2320 v. Chr.), dass die Ärzte schon damals über medizinische Fachpapyri verfügt haben müssen. Denn als sein Oberbaumeister Wasch-Ptah erkrankt war, rief der Pharao Neferirkare den Obersten der Ärzte herbei und “ließ bringen das Futteral mit den Schriftstücken”:

Quellen:

K. Sethe - Urkunden des Alten Reiches, 1. Band, Heft I, Seite 40ff.)
L. Borchardt “Catalogue générale des antiquitées égyptiennes: Denkmäler des Alten Reiches (außer den Statuen), Teil II, No. 1542 - 1808”, S. 40, Nr. 1569 II + Tafel 69

Nun war er (= der Pharao) in seinem Grab ...   Es war gekommen (Neferirkare)|, um zu sehen die Schönheit dieser Arbeit.

Als er (= der Oberbaumeister) nun herauskam zu ihnen ... (Dabei erlitt der Baumeister möglicherweise einen Schwächeanfall o.ä.)

Da ließ seine Majestät ihn stützen.

Nun also lobpreiste seine Majestät ihn (= den Oberbaumeister) deswegen (= wegen der hervorragenden Arbeit), [doch] seine Majestät bemerkte, daß er nicht hörte.

Da ließ seine Majestät kommen die Königskinder, die Höflinge, den Vorlesepriester und den Obersten der Ärzte.

Und seine Majestät ließ herbeibringen das Futteral mit den Schriftstücken.

Sie (=die Gefolgsleute) sagten zu seiner Majestät: Er ist bewußtlos geworden.

Zwar konnte der Arzt auch mit Hilfe der überlieferten Vorschriften und Rezepte den Oberbaumeister Wasch-Ptah nicht mehr retten, jedoch handelt es sich bei dieser Inschrift um das älteste Zeugnis für die Verwendung von heilkundlichen Aufzeichnungen.
Von diesen - mit Sicherheit ehemals zahlreichen - medizinischen ”Schriftstücken”, die in mehr oder weniger großem Umfang während der gesamten Pharaonenzeit verfaßt, genutzt und archiviert wurden, sind uns leider nur sehr wenige Exemplare erhalten geblieben. Diese sind hier im folgenden der Übersicht halber nur kurz beschrieben, während sich auf den entsprechenden Seiten dann auch weitere Details, die Umschreibung und natürlich eine Übersetzung finden.

Übersicht über die medizinischen Papyri
des Alten Ägyptens

 

Papyrus Berlin 3027
   - Beschwörungsformeln zum Schutz von Mutter und Kind

Papyrus Berlin 3038 (Brugsch)
   - Rezepte gegen Darmparasiten, Erkrankungen der weibl. Brust, Hämaturie, Husten etc.

Papyrus Berlin 10456 Rubensohn
   - Rezepte gegen Husten u.a.

Papyrus Berlin 13602
   - Rezepte zur Schwangerschaftsverhütung

Papyrus Berlin 15749
   - Zauberspruch gegen srft-Ausschlag

Papyrus Brooklyn 47.218.48 und 47.218.85
   - Buch über Schlangen und Behandlung von Schlangenbissen

Papyrus Budapest 511961
   - Abhandlungen zur Dämonologie

Papyrus Chester Beatty V, BM 10685
   - Rezepte gegen Migräne, „für die Krankheit im halben Kopf“

Papyrus Chester Beatty VI, BM 10686
   - Rezepte für Erkrankungen des Rektums

Papyrus Chester Beatty VII, BM 10687
   - Sprüche gegen Skorpionstiche

Papyrus Chester Beatty VIII, BM 10688
   - „Gegenzauber gegen tödliche Magie“

Papyrus Chester Beatty XV, BM 10695
   - „Heilmittel für das Beseitigen des Durstes [...] im Munde“

Papyrus Carlsberg VIII
   - gynäkologische Vorschriften und Prognosen zum Geburtsverlauf

Papyrus Carlsberg 230
   - ein demotisches Kräuterbuch

Papyrus Ebers
   - umfangreiches „Heilbuch“ zur gesamten Medizin, oder sogar Nachschlagewerk?

Papyrus Hearst
   - Rezepte und Sprüche gegen Herz-, Harnblasenerkrankungen, eitige Entzündungen, Zahnabszesse, Tierbisse etc.

Papyrus Kahun
   - wichtigste gynäkologische/geburtshilfliche Abhandlung

Papyrus vet.med. Kahun
   - tiermedizinische Rezepte

Papyrus Leiden i343 + i345
   - magische Formeln

Papyrus London
   - magische Formeln gegen Augenkrankheiten, Verbrennungen, Frauenleiden etc.

Papyrus Louvre E4864
   - Einzelrezepte für den Bauch

Papyrus Ramesseum III
   - Rezepte gegen Kinderkrankheiten

Papyrus Ramesseum IV
   - Rezepte zur Gynäkologie

Papyrus Ramesseum V
   - Abhandlung zu Leiden der Metu-Stränge (Bänder, Muskeln, Sehnen und Nerven)

Papyrus Edwin Smith
   - umfangreiche Abhandlung zur Chirurgie/Traumatologie

Papyrus Turin 31+77
   - Rezept gegen Skorpionsgift

Papyrusfragment Zagreb 881
   - drei Rezepte ohne Zuordnung

 

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